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Mehr Jugendliche wechseln in die Einsatzabteilungen der Feuerwehren Innenminister Georg Maier stellt den Brand- und Katastrophenschutzbericht 2020 vor

66/2021

Am Donnerstag (2. September 2021) stellte Innenminister Georg Maier in der Fahrzeughalle der neuen Feuerwache der Freiwilligen Feuerwehr Arnstadt den Brand- und Katastrophenschutzbericht für das Jahr 2020 vor.

Bevor er über die Einsatzstatistik, die Entwicklung der Mitgliederzahlen und die Jugendarbeit der Thüringer Feuerwehren informierte, nutzte Georg Maier die Möglichkeit, nochmals die Arbeit der Thüringer Wehren, Katastrophenschutzeinheiten und Rettungsdienste bei der Bekämpfung der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz zu würdigen. „Durch die schnelle und unbürokratische Zusammenstellung der benötigten Einheiten aus allen Teilen Thüringens konnten wir der Bevölkerung in den betroffenen Teilen mit Technik und Personal schnell helfen“, betonte der Innenminister. „An dieser Stelle mein Dank an die Kameradinnen und Kameraden, die diese aufopferungsvolle Arbeit vor Ort geleistet haben oder hier auf Abruf bereitstanden“, so Maier und weiter: „Einsätze wie diese sind auf allen Ebenen von Bedeutung, um die Organisation und die Ausstattung des Katastrophenschutzes auch in Thüringen weiterzuentwickeln und um bestmöglich auf zukünftige Einsätze vorbereitet zu sein.“

Zu Beginn des Berichtes zeigt sich der Minister freudig überrascht, dass im letzten Jahr 1.227 Angehörige der Jugendfeuerwehr ihren Weg in die Einsatzabteilungen gefunden haben, was eine deutliche Steigerung zum Vorjahr (2019: 909) und den höchsten Wert seit der erstmaligen Erfassung im Jahr 2017 bedeutet. „Unsere Feuerwehren brauchen diesen Nachwuchs dringend, um für Einsätze gewappnet zu sein“, so der Minister.
 

Mitgliederzahlen leicht rückläufig
Die Anzahl der aktiven Feuerwehrangehörigen ist im vergangenen Jahr – wie bereits auch 2019 – um ca. 1% leicht gesunken (2020: 34.075, 2019: 34.409). Der Rückgang wird auf die Abnahme der Zahl der Feuerwehrangehörigen im Einsatzdienst der Freiwilligen Feuerwehren zurückgeführt. Die Zahl der hauptamtlichen Feuerwehrangehörigen bei den Berufsfeuerwehren bleibt hingegen stabil. Über 33.000 Feuerwehrangehörige (97 % aller Mitglieder) engagieren sich ehrenamtlich. Erstmals seit 5 Jahren waren aber auch die Mitgliederzahlen der Jugendfeuerwehr rückläufig. Der größte Rückgang war dabei bei den 6- bis 9-jährigen zu verzeichnen. „Dies ist in meinen Augen eine klare Folge der Pandemie, da eine aktive Mitgliedergewinnung unter Corona-Bedingungen nahezu unmöglich war“, erklärte der Innenminister und hofft, dass die Mitgliederzahlen nach dem Abklingen der Pandemie wieder steigen.
 

Abnahme der Einsatzzahlen
Die Einsatzzahlen haben sich im gesamten Spektrum gegenüber den beiden Vorjahren deutlich verringert. 2020 rückten die Thüringer Feuerwehren zu 30.835 Einsätzen aus. Das sind durchschnittlich 85 Alarmierungen pro Tag. Der Rückgang ist aller Voraussicht nach auf das zurückgefahrene gesellschaftliche Leben während der Corona-Pandemie sowie auf ein geringeres Unwettergeschehen zurückzuführen.
 

Deutlich weniger Fehlalarmierungen
Die Zahl der Fehlalarmierungen ist um 8,5 % auf 17 % gesunken. Besonders die Fehlalarme durch Brandmelde-/Gefahrenmeldeanlagen und blinde Alarme verzeichneten einen deutlichen Rückgang. Dennoch bleibt die Fehlalarmierung trotz des Rückgangs die zweithäufigste Alarmierungsart.
 

Weniger Hilfsleistungseinsätze
69 % aller Einsätze sind Hilfeleistungen, allen voran für die Unterstützung des Rettungsdienstes sowie für die Bekämpfung von Wasser- und Sturmschäden. Insgesamt gingen die Hilfsleistungseinsätze um 4,7 % auf 21.264 Einsätze zurück. Auffallend ist, dass die Zahl der Hilfeleistungen bei Ölunfällen/-spuren um 94 und bei Verkehrsunfällen/-störungen sogar um 500 abgenommen hat. Dies wird ebenfalls auf das geringere Verkehrsaufkommen während der Corona-Pandemie zurückgeführt.
 

Zunahme der Wohnungsbrände
14 % aller Einsätze im Berichtsjahr waren Brandbekämpfungseinsätze. 2020 wurden 4.239 Brände und damit 6,9 % weniger Einsätze als im Vorjahr 2019 verzeichnet. Trotz dessen sind auch hier die Auswirkungen der Pandemie und der „Home-Office“-Präsenz der Menschen erkennbar. So ereigneten sich im vergangenen Jahr 1.151 Wohnungsbrände und somit 113 mehr als noch im 2019. Gleichzeitig nahmen die Einsätze aufgrund von Bränden in Büros, Verwaltungen, Industrie-, Gewerbe- und Handwerksbetrieben um 75 ab.
 

Reduzierung der Einsatzstunden pro Brandbekämpfungseinsatz
Die durchschnittliche Einsatzdauer pro Brandbekämpfungseinsatz hat im vergangenen Jahr abgenommen. 2020 waren durchschnittlich 44 Stunden für einen Brandbekämpfungseinsatz notwendig (2019: 48 Stunden). Dieser Rückgang resultiert insbesondere aus dem Wegfall zeitintensiver Groß- und Mittelbrände, wie zum Beispiel Waldbrände.
 

Fast 2.700 Menschen gerettet
Durch den engagierten Einsatz der Kameradinnen und Kameraden im Jahr 2020 konnten 2.691 Personen bei Brandbekämpfungs- und Hilfsleistungseinsätzen gerettet werden. Die Anzahl der bei Einsätzen registrierten geschädigten Personen ist von insgesamt 3.916 auf 3.763 gesunken. „Das ist grundsätzlich ein positives Zeichen“, so Innenminister Maier. Allerdings ist bei Einsätzen zur Brandbekämpfung die Anzahl der verletzten Personen gestiegen. Mit 441 verletzten Personen wurde sogar ein Höchststand im 5-Jahres-Zeitraum erreicht. „Dies passt zu den Corona bedingt gestiegenen Einsatzzahlen bei der Brandbekämpfung in Wohngebäuden“, erläuterte Maier weiter.  
 

Kein verunglückter Feuerwehrangehöriger
Im Einsatz wurden 116 Feuerwehrangehörige verletzt. Glücklicherweise kam 2020 kein Feuerwehrangehöriger im Dienst ums Leben.
 

Zahl der Brandtoten/Im Einsatz tödlich Verletzte
Die Zahl der Brandtoten blieb fast konstant. 2020 kamen bei Bränden 14 Personen ums Leben (2019: 15). Die Mehrzahl der Toten wurde in Wohngebäuden aufgefunden, wobei die Brandursache in den meisten Fällen auf ein Fehlverhalten der Bewohner zurückzuführen ist. „Diese Zahlen zeigen einmal mehr, dass beim Umgang mit offenem Feuer und technischen Geräten wie Wasserkochern oder Ölradiatoren besondere Um- und Vorsicht geboten ist“, bekräftigte der Innenminister. Die Zahl der im Einsatz geborgenen tödlich verletzten Personen ist leicht angestiegen und bewegt sich mit 386 registrierten getöteten Personen in etwa auf dem Vorjahresniveau (2019: 373).
 

Finanzielle Unterstützung des Landes
Die vom Land für den Brand- und Katastrophenschutz bereitgestellten Mittel betrugen 2020 insgesamt rund 18,5 Mio. Euro. Unter anderem investierte der Freistaat 7,57 Mio. Euro in 68 Feuerwehrfahrzeuge, 1,77 Mio. Euro in 15 Feuerwehrhäuser und fast 1 Mio. in den Neubau des Katastrophenschutzlagers in Nordhausen.

Brand- und Katastrophenschutzbericht 2020 zum Download (PDF)

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