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Medieninformationen

Festgottesdienst am 31. Januar in Jenaer Stadtkirche Polizeipfarrer Heinecke geht in Ruhestand

5/2023

Jochen M. Heinecke, Landespfarrer für Polizei- und Notfallseelsorge, wird pensioniert. Am 31. Januar, seinem letzten Arbeitstag, lädt das Landeskirchenamt EKM um 14 Uhr zum Festgottesdienst in die Stadtkirche „St. Michael“ in Jena ein. Interessierte sind herzlich willkommen.

Seit 2015 war Heinecke Thüringer Polizeipfarrer. Neben der Seelsorge für die Beamtinnen und Beamten war er auch als Lehrkraft im Bildungszentrum der Polizei tätig. Der Pfarrer lehrte das Fach Berufsethik. Auf dem Gelände in Meiningen hat Heinecke auch den „Ort der Stille“ initiiert, an dem verstorbener und erkrankter Polizistinnen und Polizisten gedacht wird.

Wie vielen Menschen der Polizeipfarrer in den vergangenen sieben Jahren durch ein Gespräch geholfen hat, kann Jochen M. Heinecke nicht einmal im Ansatz schätzen. In den Thüringer Polizeiinspektionen ging er ein und aus, bei vielen Einsätzen war er dabei. Seelsorge habe eine „Geh-Struktur“, sagte er einmal. Immer sei es ihm wichtig gewesen, „Räume für den Diskurs und für den Austausch von Meinungen zu schaffen“. Jeder Mensch müsse sich auf die Suche nach seinen Werten begeben. Bei dieser Suche habe er durch Gespräche helfen wollen. Und dabei sei es ihm ganz egal gewesen, wie und wo das passiert und ob die Gesprächspartner religiös sind oder nicht. „Auf die menschlichen Werte kommt es an.“

Georg Maier, Minister für Inneres und Kommunales, würdigte den besonderen Einsatz des Polizeipfarrers. „Jochen Heinecke war keiner, der Dienst nach Vorschrift macht. Er hat sich eingesetzt, manchmal auch eingemischt. Insofern war er für die Polizistinnen und Polizisten nicht nur Seelsorger, sondern ein bisschen auch Sozialarbeiter. Für seine Arbeit bin ich ihm dankbar und wünsche ihm einen erfüllten Unruhestand“, sagte er.

Portrait Polizeipfarrer Jochen M. Heinecke

„Was ist ein seelsorgerisches Gespräch?“

Polizeipfarrer Jochen M. Heinecke geht in den Ruhestand

Seine Körperhöhe hebt ihn aus der Masse heraus. Bei Veranstaltungen oder auf dem Campus des Polizeibildungszentrums in Meiningen kann man ihn nicht übersehen. „Zwei Meter glatt“, sagt Jochen M. Heinecke lächelnd. „Als Seelsorger hat das Vor- und Nachteile. Manche empfinden das als väterlich, andere eher respekteinflößend. Auf jeden Fall kann ich mich nicht verstecken. Gott hat das so gewollt.“ Um auf Augenhöhe mit Gesprächspartnern zu kommen, zieht Heinecke deshalb meist die sitzende Position vor. Im Landesdienst allerdings nur noch wenige Tage. Denn der wahrscheinlich höchstgewachsene Polizeipfarrer Deutschlands geht am 31. Januar in die verdiente Pensionierung.

Raum für Diskurs ist wichtig

Seit 2015 hat Jochen M. Heinecke das Amt des Landespfarrers für Polizei- und Notfallseelsorge ausgefüllt. Wie vielen Polizistinnen und Polizisten, wie vielen Rettungskräften oder Angehörigen von Unfallopfern er in dieser Zeit durch Zuhören und Rat geben geholfen hat, das kann er nicht einmal im Ansatz schätzen. Hunderten? Tausenden? Heinecke weiß es einfach nicht. „Was ist ein seelsorgerisches Gespräch?“, fragt der 65jährige zurück. „Ist es schon, wenn mir jemand erzählt, dass sie nicht gut genug bezahlt wird? Ist es der Plausch in der Raucherecke oder auf dem Flur? Ich meine ja.“ Egal also wo, „der Raum für Diskurs und den Austausch von Meinungen ist wichtig.“ Pfarrer Heinecke sagt, dass sich jeder Mensch auf die Suche nach seinen Werten begeben müsste. Bei dieser Suche wolle er durch Gespräche helfen. Und dabei sei es ihm ganz egal, wie das passiert und ob das Gegenüber religiös ist oder nicht. „Auf die menschlichen Werte kommt es an.“

Nach Tsunami in Thailand

Wahrscheinlich kommt dieser pragmatische, weniger geistliche Ansatz des Pfarrers aus seinem Vorleben als Notfallseelsorger. 1994 fing er damit an, für Feuerwehrleute und Mitarbeitende des Rettungsdienstes da zu sein. Zuvor hatte der gebürtige Altenburger („Ich bin ein Zipfelthüringer!“) schon als Gemeindepfarrer und Krankenhausseelsorger gewirkt. Das offene Ohr für die Nöte von Polizistinnen und Polizisten kam en passant hinzu. Auf die Frage, welches Ereignis ihn in seiner fast 30jährigen Notfallseelsorger-Laufbahn am meisten bewegt hat, könnte er antworten, dass es die Gespräche mit Helfern nach dem Gutenberg-Massaker in Erfurt waren. Er könnte auch seinen Opfer-Einsatz nach dem Tsunami 2004 erwähnen, als ihn das Auswärtige Amt nach Thailand schickte. Beide Beispiele nimmt er aber bewusst nicht als Antwort. „Für mich sind es die bedeutsamen Zeichen des Vertrauens, wenn sich mir ein Hauptkommissar oder Obermeister öffnet.“ Selbstredend hat der Pfarrer die Beamtinnen und Beamten immer dort abgeholt, wo sie waren. Er ging in den Thüringer Polizeiinspektionen ein und aus oder fuhr zu Einsätzen mit. Seelsorge habe eine „Geh-Struktur“, sagte Heinecke einmal dem MDR. 

„Ort der Stille“ ein Lieblingsprojekt

Die eine Hälfte seiner Dienststelle war die Seelsorge, die andere Hälfte seine Lehrtätigkeit am Bildungszentrum der Polizei in Meiningen. Hier hat er Berufsethik gelehrt und „Entwicklungsräume“ für junge Menschen geschaffen, die den Polizistenberuf ergreifen wollen. Besonders stolz ist der Pfarrer auf den „Ort der Stille“, den er auf dem BZ-Gelände initiiert hat. Dort wird nicht nur der verstorbenen Kolleginnen und Kollegen gedacht, sondern auch derer, die krank geworden sind, den Burnout-Patienten beispielweise.

Mit Netzwerk geholfen

Stolz ist Heinecke auch darüber, dass er dem einen oder der anderen ganz praktisch mit seinem weitreichenden Netzwerk helfen konnte, wenn er also die richtigen Kontakte für jemanden hatte. Er nennt es abstrakt, „wenn Einzelne sich durch meine Hilfe zum Wohle der Organisation entwickeln konnten.“ Verschwiegenheit ist des Pfarrers Pflicht, weshalb er sich auch nur das Beispiel eines Praktikums abringen lässt, das er einem Polizisten vermittelt hat. Sein Dienstherr findet diesen besonderen Einsatz aller Ehren wert. „Pfarrer Heinecke war keiner, der Dienst nach Vorschrift macht. Er hat sich eingesetzt, manchmal auch eingemischt. Insofern war er für die Polizistinnen und Polizisten nicht nur Seelsorger, sondern ein bisschen auch Sozialarbeiter. Für seine Arbeit bin ich ihm dankbar und wünsche ihm einen erfüllten Unruhestand“, sagt Innenminister Georg Maier.    

Gedrechselte Eierbecher und Schalen

Doch, wenn man Jochen M. Heinecke fragt, was er nun als Pensionär machen will, herrscht noch eine gewisse Ratlosigkeit. „Das ist eine ungewohnte Situation“, meint er. Natürlich wird er an seinem Wohnort Jena weiterhin ab und an Gottesdienste halten („Pfarrer sein ist kein Beruf, sondern Berufung.“). Aber eine richtige Idee, wie er seine Tage ausfüllen will, scheint er noch nicht zu haben. Natürlich hat er Ehefrau, Kinder und Enkel, die ihn gern mal häufiger sehen. Auch das Drechseln im Keller von Schalen oder Eierbechern ist seine Leidenschaft („Ich kann keine Duplikate erstellen, nur Originale.“) Aber ob ihn das auf Dauer ausfüllen wird? 

Daniel Baumbach, TMIK-Mediensprecher

Wer Pfarrer Jochen M. Heinecke alles Gute für den Ruhestand wünschen möchte, der kann es persönlich tun. Zu seiner Verabschiedung gibt es am Dienstag, den 31. Januar, um 14 Uhr in der Jenaer Stadtkirche „St. Michael“ einen Festlichen Gottesdienst.

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